Politik/Corona

Die Abtrennung des Corona-Themas vom Ordner "Politik" ist in der Hoffnung erfolgt, dass es sich bald um Zeitgeschichte handeln wird, die aber nicht so schnell in Vergessenheit geraten sollte. Aus meiner Sicht hat der Umgang mit diesem Thema nämlich einen Mangel an Rationalität und Seriosität aufgezeigt, welcher die Politik, aber auch die Berichterstattung darüber, heutzutage leider generell kennzeichnet. Populismus auf allen Seiten und Meinungsmache statt Information, wohin man blickt. Wer den mündigen Bürger Immanuel Kants aus den Augen verliert, der ist nach meinem Dafürhalten nicht dazu qualifiziert, in einer Demokratie Politik zu machen. Gleiches gilt für Volksvertreter und Medienleute, die mit Unterstellungen und Beleidigungen operieren, statt sich an der Faktenlage zu orientieren. Es wäre daher hoch an der Zeit, zu einer politischen Kultur zurückzufinden, wie ich sie in meiner Jugend und bis in die 1980er-Jahre hinein in Österreich noch erlebt habe.

 

Corona-Zahlen geben Rätsel auf

I„Heute“ von heute (13. September 2021) befindet sich auf Seite 4 eine Tabelle, die (u. a.) 1. die Anzahl der täglichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, 2. die Anzahl der täglichen Todesfälle, und 3. den Prozentsatz der bereits zweimal Geimpften in allen 27 EU-Ländern enthält.

 

Hinsichtlich 1. habe ich schon immer darauf hingewiesen, dass solche "Inzidenz-Zahlen" für Vergleichszwecke „nichts taugen“, weil sie von der Zahl der Testungen abhängig sind, und diese Zahlen sind von Land zu Land verschieden. Nachdem das endlich einmal (im Hinblick auf Polen) auch so in einer Zeitung steht vertraue ich den in der genannten Tabelle enthaltenen Zahlen generell, wiewohl das natürlich auch ziemlich gewagt ist.

 

Und da fallen dann vor allem die unter 3. genannten Zahlen auf, weil sie das Geschrei von der besonderen Impf-Unwilligkeit der Österreicher eigentlich nicht so recht bestätigen wollen. Mit 59,3 % liegt Österreich damit nämlich unter allen 27 EU-Ländern an 13. Stelle, also noch in der oberen Hälfte. Als einziger EU-Staat liegt Malta knapp über 80 %; über 70 % erreichen nur Portugal (73,4 %), Belgien (71,4 %) und Irland (70,4 %). Mit 30,8 täglichen Neuinfektionen liegt Irland allerdings schlechter als Österreich, wiewohl dieser Vergleich, siehe oben, möglicherweise „hinkt“. Das in den Medien jüngst so hochgelobte Dänemark, wo wegen der „hohen Durchimpfungsrate“ gerade alle Corona-Zwangsmaßnahmen aufgehoben worden sind, weist nach der angegebenen Quelle nur 69,7 % zweifach Geimpfte auf, und Deutschland gerade einmal 61,3 %. Schlechter als Österreich liegen Schweden mit 58,8 % sowie Finnland mit 55 %. Unter 50 % liegen u. a. Polen (48,2 %), Slowenien (43,2 %), die Slowakei (42 %) und Kroatien (40,2 %). Absolutes Schlusslicht ist Bulgarien mit 17,6 %. 

 

Hinsichtlich der täglichen Todesfälle ist der einwohnerstärkste EU-Staat Deutschland mit 50 ein Maßstab. Österreich liegt mit 6 nicht so schlecht, jedenfalls verglichen mit Frankreich (100), Spanien (71), Italien (69), Bulgarien (65) und Griechenland (43). Aber was sagt man da zu Finnland (1) sowie Schweden (0), und das bei einer Durchimpfungsrate, die schlechter ist als die österreichische?

 

Diese zwei skandinavischen Länder können hinsichtlich der Bewältigung der Corona-Krise jedenfalls als vorbildlich gelten, wobei ihnen die (auch im Vergleich zu Dänemark) geringe Besiedelungsdichte zweifellos einen gewissen Vorteil verschafft. Im Wesentlichen dürfte es aber daran liegen, dass sich die Politik in diesen Ländern wesentlich mehr zurückgehalten und das Feld den Experten überlassen hat, welche die notwendigen Schutzmaßnahmen klar definiert und begründet haben, und dass diese von der Bevölkerung als durchwegs sinnvoll anerkannt und befolgt worden sind. Besonders hervorzuheben ist natürlich Schweden, wo es die ganze Zeit über weder eine Maskenpflicht noch einen Lockdown gegeben hat und wo die Schulen, im Unterschied zum derzeitgen Chaos in Österreich, ganz ohne Masken und auch ohne Tests betrieben werden.

 

Zuletzt noch eine Bemerkung zum Impf-Thema: Generell vertraue ich den belegten Erfahrungen mehr als diversen „Wortmeldungen“. Und da deuten alle Daten darauf hin, dass die Impfung „wirkt“, und zwar jedenfalls in dem Sinn, als sie die Ansteckungsgefahr verringert und den Krankheitsverlauf mildert. Impfempfehlungen sind daher durchaus berechtigt, aber ebenso auch Impfbedenken, und zwar vor allem deswegen, weil Langzeitfolgen mangels entsprechender Erfahrungen derzeit nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. (Das betrifft insbesondere Kinder und junge Erwachsene.) Eine Spaltung der Gesellschaft in „Geimpfte“ und „Ungeimpfte“ darf es jedenfalls nicht geben und alle sinnvollen Verhaltensmaßnahmen zum Schutz vor Ansteckung sind von beiden Gruppen gleichermaßen einzufordern und einzuhalten. (Dass Geimpfte in der Regel besser geschützt sind, das sollte als "Belohnung" eigentlich ausreichen; die Impfung als "Freibrief" zu betrachten erachte ich für unangemessen.)

Schwedische Schulen:

Normalbetrieb ohne Masken und ohne Tests

In diesem im deutschen SWR2-Kanal ausgestrahlten Bericht geht es ganz konkret um den schwedischen Sonderweg hinsichtlich des Corona-Problems auf dem Schulsektor. Vorbehaltlich der strikten Einhaltung der Abstandsregeln durch Schüler und Lehrpersonal halte ich diesen Weg weltweit für das Beste, das man auf dem Gebiet von Erziehung und Unterricht in dieser Situation tun kann. Dem österr. Unterrichtsministerium wäre dringend zu empfehlen, die bisher ergriffenen Maßnahmen zu überdenken und sich an den schwedischen Schulbehörden ein Beispiel zu nehmen! Nebenbei könnte damit auch den höchst problematischen Schulabmeldungen Einhalt geboten werden.
210819 Schwedische Schulen Kopie.pdf
Adobe Acrobat Dokument 94.5 KB

Das schwedische Corona-Enigma

Unter diesem Titel hat Christian Ortner in der "Wiener Zeitung" am 6. August 2021 einen Kommentar veröffentlicht. Hier sein (unwesentlich gekürzter) Inhalt und einige Reaktionen darauf, unter anderem auch eine von mir.
210814 Corona Schweden.pdf
Adobe Acrobat Dokument 168.5 KB

Impfung ist vornehmlich Selbstschutz

Die JPEG-Datei enthält einen SN-Leserbrief vom 4. August 2021. Darin zieht der Autor aus der nunmehr erwiesenen Tatsache, dass Geimpfte wie Ungeipfte gleichermaßen Viren übertragen können, die richtigen Schlussfolgerungen: Erstens sind beide Gruppen gleichermaßen gefordert, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, insbesondere soziale Kontakte einzuschränken und Abstände einzuhalten, und zweitens sind beide Gruppen vor dem Gesetz völlig gleich zu behandeln, was jede Diskriminierung Ungeimpfter kategorisch ausschließt.
210804 SN:Leserbrief.jpg
JPG Bild 4.1 MB

Zur Impfung von Minderjährigen

Sehr ausgewogener Artikel aus den "Salzburger Nachrichten" vom 29. Juli 2021 hinsichtlich der Impfung von Minderjährigen und dass nicht alle Erziehungsberechtigten "Corona-Leugner" sind, die Bedenken haben und die Regierung für den Druck kritisieren, den diese erzeugt, statt besser zu informieren und sachlich zu argumentieren.
210729 SN:Impfung.pdf
Adobe Acrobat Dokument 102.4 KB

Rechtfertigt Corona den Ruf nach einer Impfpflicht?

Umfangreiche Recherche aus den "Salzburger Nachrichten" vom 25. Juli 2021 zum Thema Impfpflicht, welche die Meinungsunterschiede belegt, die sowohl bei Fachleuten, aber auch Politikern, in dieser Frage bestehen, wobei die Skepsis überwiegt. Absolut lesenswert!
210726 SN:Impfpflicht.pdf
Adobe Acrobat Dokument 161.9 KB

Univ.-Prof. Dr. Allerberger im Interview

Der Chef der AGES nimmt erneut zu Corona Stellung

In einem um den 20. Juni herum gegebenem Interview beurteilt der Leiter der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) neuerlich Corona und die Folgen sowie insbesondere die Maßnahmen der österr. Bundesregierung. Von der Entscheidungsfindung des Kanzlers über die PCR-Tests bis hin zur Saisonalität des Corona-Virus lässt er mit interessanten Einschätzungen aufhorchen.
210622 Allerberger.pdf
Adobe Acrobat Dokument 131.8 KB

Schwedischer Sonderweg gescheitert?

Anlässlich der Neueinrichtung dieses Ordners habe ich das Internet nach Meldungen hinsichtlich des schwedischen Sonderweges im Umgang  mit der Corona-Krise durchforstet und festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, sich in dieser Sache Klarheit zu verschaffen. Auffällig ist allerdings die in fast allen nationalen wie internationalen Medien vertretene und kaum näher begründete Ansicht, dass der Sonderweg  gescheitert sei und die Kritik darüber in Schweden ständig zunehme.

 

Laut  "Österreich", das uns tagtäglich mit aktuellen Zahlen versorgt, ist die durch Tests erhobene Zahl der Neuinfektionen derzeit tatsächlich höher als in Österreich. (Im Zusammenspiel mit einer hohen Impfrate, die derzeit bereits bei 40 Prozent liegt, könnte das für das baldige Erreichen einer Herdenimmunität aber durchaus nützlich sein.)  Betrachtet man hingegen die Anzahl derer, die mit oder an Corona von Jänner bis Mai 2021 verstorben sind, so erlebt man beim Vergleich zwischen Österreich und Schweden eine Überraschung. Die folgende Tabelle enthält die Anzahl der "Corona-Toten"  am 27. Mai 2021 (oben ) und am 29. Dezember 2020 (unten) in Österreich (links) und in Schweden (rechts):

 

                                                                                          Österreich    Schweden

                                              27. Mai 2021                          10.573         14.451

                                              29. Dezember 2020                  5.931           9.617

                                              Differenz                                  4.642           4.833

 

Wenn man berücksichtigt, dass Schweden um ca. 1,5 Millionen mehr Einwohner als Österreich aufweist, dann geht dieser Vergleich eindeutig zugunsten von Schweden aus, wo es in diesen fünf Monaten  weder Lockdowns noch einen Maskenzwang gegeben hat, sondern lediglich Appelle, persönliche Kontakte einzuschränken bzw. dabei ein diszipliniertes Verhalten an den Tag zu legen, nebst Anleitungen dazu. Die vom Parlament bereits abgesegneten schärferen Maßnahmen hat die Regierung nicht in Kraft gesetzt; daher kann sich diese jetzt auch nicht mit "Lockerungen" brüsten und dafür lobpreisen lassen.

 

Die aus dem Jahr 2020 "mitgenommenen" höheren Zahlen sind einem nicht optimalen Schutz der besonders gefährdeten Altersgruppe geschuldet, was aber inzwischen stark verbessert worden ist. Bemerkenswert ist jedenfalls der Mut der schwedischen Regierung, trotz dieser Misere weiterhin auf den Rat ihres obersten Staatsepidemiologen Anders Tegnell zu hören, der von Anfang an auf Eigenverantwortung anstelle von strengen Vorschriften und Strafen gesetzt hat, was nicht nur der Lebensqualität der Schweden  zugute gekommen ist, sondern - im gesamteuropäischen Vergleich - auch den Staatshaushalt weniger stark belastet und die Wirtschaft geschont hat.

 

dgm/28. Mai 2021

 

Dr. Weiss: Gezielte Öffnungen besser als Verbote

In meinem Aufsatz „Eine Rückkehr zur Vernunft täte not (Corona III)“ habe ich den Innsbrucker
Infektiologen und Chef der dortigen Universitätsklinik für Innere Medizin, Dr. Günter Weiss, mit kritischen Bemerkungen zu Wort kommen lassen. Nun hat er sich am 15. April 2021 in der "Kleinen Zeitung" zum Thema "Lockdowns" neuerlich zu Wort gemeldet.
Dr. Weiß, Innsbruck.pdf
Adobe Acrobat Dokument 74.9 KB

Corona aus der Sicht der AGES

Ein Artikel im "Standard" (PDF-Datei) bestätigt die Informationen, die ich von meinem AGES-Gewährsmann zum Thema "Corona" laufend bekommen und in meinen einschlägigen Aufsätzen verarbeitet habe.
210314 Umstrittene Ages.pdf
Adobe Acrobat Dokument 80.3 KB

Eine Rückkehr zur Vernunft täte not (Corona III)

Eigentlich hatte ich nicht vor, zur Causa Prima des Jahres 2020 noch einmal Stellung zu nehmen, allein schon deswegen nicht, weil in diesem Zusammenhang bereits genug Unfrieden gestiftet worden ist und ich nicht die Absicht habe, die zunehmende Radikalisierung im öffentlichen Diskurs weiter anzuheizen – ganz im Gegenteil. Wenn die politisch Verantwortlichen allerdings so haarsträubende Ideen wie die vom „Freitesten“ entwickeln, dann erscheint es mir doch angebracht, die Zurückhaltung aufzugeben und aufzulisten, was mit zunehmender Dauer der Corona-Krise zunehmend schief gelaufen ist. Aber selbstverständlich werde ich dabei um größtmögliche Sachlichkeit besorgt sein und meine Kritik so präzise wie möglich durch Fakten und Zahlen begründen.
Der Aufsatz ist in den GENIUS-Lesestücken, Folge Jänner/Februar 2021, ausgedruckt worden.
210110 Corona III.pdf
Adobe Acrobat Dokument 129.3 KB

Die Maskenpflicht auf dem Prüfstand (Corona II)

Die Entwicklung der letzten zwei Monate erfordert eine Ergänzung, zum Teil auch Präzisierung, meines Aufsatzes "Eigenverantwortung und Hausverstand" von Ende Juni 2020, wobei ich den Schwerpunkt auf die Bewertung der Maskenpflicht gelegt habe.
Der Aufsatz ist in "Lot und Waage" , der Zeitschrift des alpenländischen Kulturverbandes Südmark, Heft 2/3/20, abgedruckt worden.
Corona II.pdf
Adobe Acrobat Dokument 109.3 KB

Eigenverantwortung und Hausverstand (Corona I)

Zwei Eigenschaften, die ich in der Corona-Krise schmerzlich vermisse

Dieser Aufsatz bezieht sich auf die Corona-Krise in der Zeit von Anfang März bis Ende Juni 2020, zu welchem Zeitpunkt er abgefasst worden ist. Er zielt zwar nicht vornehmlich auf Regierungskritik ab, setzt sich aber doch kritisch mit den "von oben" dekretierten Maßnahmen auseinander. Auch wird beklagt, dass die sachliche Information zu kurz gekommen ist; ohne diese können nämlich Eigenverantwortung und Hausverstand nicht wirksam werden. Und schon gar nicht angebracht war es, die Klima-Krise, der weltweit nur mit einem Bündel vom Maßnahmen begegnet werden kann, mit Corona zu vergleichen und mit Zwangsmaßnahmen zu spekulieren, wie solche zur Eindämmung des Infektionsgeschehens zumindest kurzfristig akzeptabel erschienen sind.
Der Aufsatz ist u. a. in den GENIUS-Lesestücken, Folge 07/08/20 sowie in "Lot und Waage", der Zeitschrift des Alpenländischen Kulturverbandes Südmark, Heft 2/3/20, abgedruckt worden.
200921 CORONA I.pdf
Adobe Acrobat Dokument 157.1 KB